Vergangener Reichtum
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St. Leonharder Stadtrecht, Bischof Heinrich
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"Die Stadt zwar ist
nicht groß, das Schloß aber desto schöner und größer, welches von Herrn
Georgen, Als der edle Freiherr Johann Weichard von Valvasor anno 1680 oder 1681 nach langer, beschwerlicher Reise die Stadt St. Leonhard im Lavanttal erreichte, mag ihn der besondere Reiz dieses Ortes vom ersten Augenblick an in den Bann gezogen haben. Der adelige Kartograph, Sammler und Herausgeber von Städtebildern hatte auf seinen Studienreisen durch die deutschen und österreichischen Länder weiß Gott schon allerhand zu sehen bekommen. Reiche Handelsstädte und blühende Märkte, wahre Zentren der Kultur, der Wissenschaften und der Künste. Als er sich aber von Norden her der Stadt St. Leonhard näherte, ahnte er bereits, dass das Leben hier nach ganz anderen Voraussetzungen funktionierte. Seit Jahrhunderten gehörte die Stadt, die an einer wichtigen Handelsstraße zwischen der steirischen Wirtschaftsmetropole Judenburg und dem Süden lag, zu den Kärntner Besitzungen des fränkischen Bistums Bamberg. Für die geistlichen Herren aus Deutschland, die sich an Ort und Stelle von Beamten und Verwaltern vertreten ließen, war das ferne St. Leonhard von großer wirtschaftlicher, vor allem von montanindustrieller Bedeutung. Der Ort, der in seiner Umgebung über reiche Gold-, Silber- und Eisenerzvorkommen verfügte, war im Laufe der Zeit zu einem immer wichtigeren Bollwerk der politischen und wirtschaftlichen Macht des Hochstifts in Kärnten herangewachsen. Aus diesem Grund hatte Bischof Heinrich II. von Bamberg den Bürgern von St. Leonhard schon 1325 das Stadtrecht verliehen, auch um den steten Aufschwung des kleinen Bergbauortes weiter zu beschleunigen. Weil das Schicksal der Stadt aber von Anfang an auf das engste mit der Nutzung der Bodenschätze verbunden war, wurde die Bevölkerung durch Krisen der Montanindustrie besonders arg in Mitleidenschaft gezogen. Schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Blütezeit von St. Leonhard vorüber. Der Bergsegen von einst war plötzlich kraftlos geworden. Die großen Montanunternehmer, die in der Umgebung der Stadt kurz zuvor noch Dutzende Stollen betrieben hatten, kehrten der einst so vielversprechenden Region wieder den Rücken und wandten sich anderswo lohnenderen Aufgaben zu. In ihrem Gefolge waren auch die Bergarbeiter und ihre Familien gezwungen, das Tal entweder zu verlassen oder ihr Leben fortan auf neue Grundlagen zu stellen. Als der Freiherr von Valvasor ganz unbehelligt das nördliche Stadttor passierte, tauchte er in eine eigenartige Welt ein. Er sah den schleppenden Gang des St. Leonharder Stadtlebens, das zumindest auf den ersten Blick dem Leben in jedem anderen Dorf des 17. Jahrhunderts glich. Nichts war mehr zu spüren von jenem "Goldenen Zeitalter", von dem die Zeitgenossen früher schwärmend berichtet hatten.
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