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1538 und 1540 soll auch der berühmte Arzt und Naturforscher Paracelsus
den Preblauer Säuerling einer genaueren Untersuchung unterzogen und
ihn als „heilkräftiges“ Wasser empfohlen haben. In späterer Zeit
nannte man eine mächtige Buche in der Nähe des Brunnens
„Paracelsusbuche“. Und noch heute ist das Wasser der alten
„Paracelsusquelle“ weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.
Im 16. Jahrhundert verschrieb der
Klagenfurter Stadtmedicus Dr. Freisinger-Mistuzzi seinen Patienten „Curen
in Verbindung mit dem Preblauer Wasser“ und erzielte damit große
Erfolge. Durch das Wirken des Arztes angeregt, erwarben die Kärntner
Landstände den Preblauer „Sauerbrunn“ und errichteten ein erstes
Badehaus für adelige Gäste.
Die erste auf naturwissenschaftlichen
Grundlagen beruhende Analyse des Preblauer Wassers führte der Wiener
Arzt und Botaniker Dr. Heinrich Johann von Crantz durch, der ein
Schüler des berühmten Hofarztes Van Swieten war. Durch das positive
Urteil des Experten beflügelt, fand das Preblauer Wasser auch am
Kaiserhof dankbare Abnehmer. Einige Jahrzehnte später forderte Kaiser
Franz I., der viel auf das gesunde Wasser aus dem Lavanttal hielt, die
Kärntner Landstände ausdrücklich dazu auf, den Kurbetrieb in Preblau
stärker zu forcieren. Deshalb begann man 1813 mit der Errichtung einer
modernen Kuranstalt, die sich allerdings nicht so entwickelte, wie man
es ursprünglich erwartet hatte. Deshalb wurde der gesamte Besitz 1869
zur Versteigerung freigegeben.
Es war die Klagenfurterin Albine
Farlatti, die die große wirtschaftliche Chance erkannte. Farlatti tat
sich mit Dr. Dominik Bancalari, Dr. Alois Hussa und Josef Steinhäubl
zusammen, gründete eine Gesellschaft und ersteigerte das gesamte Gut
Preblau. Schon 1871 sollen 100.000 Flaschen Preblauer Wasser in alle
Teile der Monarchie verschickt worden sein. 1879 waren es bereits
doppelt so viel. 1892, als ein neues Brunnenhaus errichtet wurde,
konnte man bereits auf die stolze Zahl von 1 Million verschickter
Flaschen verweisen. |

Das Preblauer Kurbad um 1910
Aber auch der Bade- und Kurbetrieb in
Preblau erlebte damals einen Aufschwung. Vor allem durch die
Eisenbahnlinie zwischen Zeltweg und Wolfsberg, die 1900 eröffnet
wurde, bot sich vielen Wienern die Möglichkeit, Preblau zu erreichen.
Sogar Kriegsminister Franz Bilau-Rheidt zeigte sich von den Erfolgen
einer Kur in Preblau so angetan, daß er seine Beamten veranlaßt haben
soll, für alle Militärspitäler Preblauer Mineralwasser zu bestellen.
Weil der Bedarf unter diesen Voraussetzungen ständig weiter stieg,
begann man bald darauf, eine zweite Quelle in der Auen in Flaschen
abzufüllen.
Das Ende des Kurbetriebes kam erst,
als das Ende der Donaumonarchie vor der Tür stand. Die
zahlungskräftigen Gäste aus den großen Städten, die Preblau zu einem
Nobelkurort gemacht hatten, blieben jetzt aus. Die Kuranstalt musste
geschlossen werden, und die ehemaligen Kurhäuser begannen bald darauf
zu verfallen. Das Preblauer Wasser aber, das sich in der Zwischenzeit
zu einem der bekanntesten Mineral- und Heilwässer Europas entwickelt
hatte, wird noch heute in alle Teile der Welt verschickt und trägt
viel zum guten Ruf des oberen Lavanttals bei.
W.
Thelian |