Aus der Paracelsusregion und der Nachbarschaft
(Archiv für den Zeitraum vom 1. - 30. Juni 2006)

26. Juni 2006:
Abenteuer Goldhöhle

Im Lichtengraben bei Bad St. Leonhard wurde im Mittelalter und in der frühen Neuzeit der Bergbau nach Gold betrieben. Die Fördermengen waren, glaubt man der Überlieferung, durchaus beträchtlich. Noch heute kann man im engen Graben auf die Spuren der mittelalterlichen Bergknappen stoßen - in der Goldhöhle zum Beispiel, die von den Einheimischen meist einfach "Goldloch" genannt wird. Ein Lokalaugenschein.

 

Ganz ungefährlich ist eine Expedition dieser Art ja nicht. Immerhin geht es darum, in die einigermaßen gut versteckte Höhle einzusteigen, eine Kamera mitzuschleppen und darauf zu warten, was so alles passiert.

Aber dann ist es ein erhebender Augenblick: Die Höhle ist bei weitem nicht so klein wie man es von außen vermuten würde. Das "Goldloch", so nennen es die Einheimischen, ist teilweise geräumig, ist eindrucksvoll, entführt in eine vergangene Zeit. Und da gibt es offenbar noch einige Seitengänge, die auf die weitere Erforschung warten. Mit mehr Licht, beim nächsten Mal.

Wo seit unermesslicher Zeit die Kraft des Wassers die Landschaft formt und gestaltet, wurden vor Jahrhunderten reiche Edelmetallvorkommen entdeckt und montanindustriell genutzt. Im 17. Jahrhundert stieß man im Lichtengraben durch Zufall auf ein besonders viel versprechendes Goldlager, wo man aus einer Tonne Hauwerk immerhin bis zu 338 Gramm reines Gold gewinnen konnte. Als der reiche Bergsegen dann aber seine Kraft verlor, wandten sich die Gewerken anderswo lohnenderen Aufgaben zu. In ihrem Gefolge waren auch die Bergknappen mit ihren Familien gezwungen, die Region entweder zu verlassen oder ihr Leben auf eine neue Grundlage zu stellen.

Mitten im alten Goldbergbaugebiet findet man das so genannte „Goldloch“, eine von der Natur geschaffene Höhle, die auch heute noch zur Gänze begehbar ist. In den drei Höhlenräumen lebte noch vor Jahrzehnten eine Frau, die ihre merkwürdige Behausung mit einer Kuh, einer Ziege und Schweinen teilte. Die Einsiedlerin, die um die Geheimnisse der Natur wohl recht genau Bescheid wusste, war weithin bekannt.

Heute ist das kleine Höhlensystem eindrucksvoll, aber noch nicht gesichert und daher für einen Besuch nur sehr bedingt zu empfehlen.

wt

 

  19. Juni 2006:
Auf den Spuren des Preblauer Kurbetriebes

Noch vor einem Jahrhundert florierte der Kurbetrieb in Preblau bei Bad St. Leonhard. Gäste aus nah und fern kamen, um in der idyllischen Landschaft des Oberen Lavanttals zu kuren und sich von den Sorgen des Alltags zu erholen. Im Mittelpunkt stand der "Preblauer Säuerling", der noch heute als Preblauer Heil- und Mineralwasser in alle Welt verschickt wird. Wie sieht es heute in Preblau aus? Ein Lokalaugenschein.

 

Die "Brunnenversendestelle Preblau" um die Jahrhundertwende



Manches erinnert auch heute noch an die Kurpromenade von einst



Eines der ehemaligen Gästehäuser
 

Der Bade- und Kurbetrieb in Preblau hat Tradition. Wahrscheinlich wurde die Preblauer Quelle bereits im Mittelalter und in der frühen Neuzeit für Trink- und Badekuren genutzt. Ihre Blütezeit erlebten die Preblauer Kuren um die Jahrhundertwende, als 1900 die Eisenbahnlinie zwischen Zeltweg und Wolfsberg eröffnet wurde. Mit der Bahnstation Preblau-Sauerbrunn war der Kurort direkt an die neue Verkehrslinie angebunden.

Zahlreiche Gäste aus allen Teilen der Monarchie suchten den kleinen Kurort auf. Unter ihnen auch so manche damals bekannte Persönlichkeit, wie z.B. der k.k.-Kriegsminister Franz Bilau-Rheidt. Er und die anderen Sommerfrischler absolvierten die Trink- und Badekuren und zeigten sich von der Wirkung des heilkräftigen Wassers durchaus angetan.

Das Ende des Kurbetriebes kam erst, als das Ende der Donaumonarchie schon vor der Tür stand. Die zahlungskräftigen Gäste aus den großen Städten, die Preblau für einige Zeit zu einem Nobelkurort gemacht hatten, blieben jetzt aus. Die Kuranstalt musste geschlossen werden, und die ehemaligen Gästehäuser begannen bald darauf teilweise zu verfallen.

Während die Brunnenversendestelle in Preblau nach wie vor in Betrieb ist, sind die ehemaligen Gästehäuser dem Zahn der Zeit ausgesetzt: Zwei werden bewohnt, eines wurde nach einem Brand nicht wieder instand gesetzt und ist heute eine Ruine. Trotzdem erinnert hier noch viel an eine der großen Blütezeiten des Kurbetriebes im Oberen Lavanttal.

wt

  11. Juni 2006:
Kärntner Landesausstellung findet 2009 im Benediktinerstift St. Paul statt

Nach der erfolgreichen Landesausstellung 1991 "Schatzhaus Kärntens - 900 Jahre Benediktinerstift St. Paul" wird das Stift 2009 erneut Austragungsort einer Großausstellung sein.

 
Nach dem Konzept von Pater Mag. Gerfried Sitar vom Benediktinerstift St. Paul soll die Landesausstellung 2009 eine Europaausstellung sein und ist dem Thema "Macht des Wortes - Mönchtum im Spiegel Europas" gewidmet. Zusätzlich zur Ausstellung in den Museumsräumen des Stiftes sind auch ein "Kristalldom" und eine "Gartenwelt" geplant, die zusätzliche Besucher anziehen sollen. Die Verantwortlichen des Landes haben sich mit dem Konzept beschäftigt und vor kurzem ihre Unterstützung zugesagt.

Als zweiter Ausstellungsort wurde Bleiburg im Bezirk Völkermarkt festgelegt. Das Thema dort: "Macht der Bilder - Visionen des Göttlichen". In Bleiburg steht v.a. die Werner-Berg-Galerie mit den Werken von Werner Berg, Emil Nolde, Albin Egger Lienz, Anton Kolig, Kiki Kogelnik, Max Weiler, Arnulf Rainer, Hermann Nitsch u.a. im Mittelpunkt des Geschehens.

Insgesamt werden die Kosten für die Doppelausstellung mit rund 9,4 Mio. Euro beziffert.

wt

  6. Juni 2006:
Der geheimnisvolle Hemmaberg

Die kleine Gemeinde Globasnitz im Jauntal, sonst eher ein ruhiger und beschaulicher Ort, ist in den letzten 25 Jahren wieder stärker in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses gerückt. Sommer für Sommer schlagen hier Archäologen ihre Zelte auf, um am nahe gelegenen Hemmaberg nach den Spuren der frühchristlichen Vergangenheit Kärntens zu suchen.

 

Unmittelbar unter der im Mittelalter erbauten Kirche am Hemmaberg beginnt auch das Areal der frühchristlichen Ausgrabungen.

 

Als 1978 die erste größere Grabungskampagne am Hemmaberg durchgeführt wurde, waren viele Bewohner von Globasnitz noch skeptisch. Aber auch sie haben seither den Einsatz und die mühevolle Kleinarbeit der Wissenschafter schätzen gelernt und helfen nicht selten tatkräftig mit, wenn es darum geht, dem 842 Meter hohen Berg seine Geheimnisse zu entlocken

Zunächst waren es die umfangreichen Mauerreste einer Doppelkirchenanlage aus dem 5. und 6. Jahrhundert, die das Interesse der Forscher weckten. Als nächstes fand man bemerkenswerte Mosaikfußböden und die Grabstätte eines unbekannten Märtyrers, der von den frühchristlichen Gläubigen offenbar als Heiliger verehrt wurde. Damals ahnte noch niemand, dass unter den Erdschichten am Südhang des Berges die Mauerreste von drei weiteren Kirchen verborgen lagen. Erst routinemäßige Probegrabungen machten die Sensation perfekt.

Fünf frühchristliche Kirchen auf engstem Raum vorzufinden, war selbst für die eher nüchtern denkenden Wissenschafter ein "unerwarteter Glücksfall". Plötzlich war nämlich klar, dass man mitten im Kärntner Unterland auf die größte bisher bekannte Pilgerstätte des frühen Christentums im Alpenraum und außerhalb Roms gestoßen war.

1992 hat man am Hemmaberg die Grabstätte einer weiteren Märtyrerin gefunden, deren Skelett noch gut erhalten ist. „Nur der Schädel fehlt“, sagt Grabungsleiter Univ.Doz. Dr. Franz Glaser vom Kärntner Landesmuseum und vermutet, dass man diesen bei der späteren Auflösung der Pilgerstätte nicht zurücklassen wollte. Im Reliquienschrein, dessen künstlerische Verarbeitung die Herkunft aus Syrien vermuten lässt, wurde auch ein silberner Fingerring der Heiligen gefunden.

Das Freilichtmuseum am Hemmaberg in der Gemeinde Globasnitz (Bezirk Völkermarkt) kann ganzjährig besucht werden. Im Ort selbst wurde vor kurzem ein neues Museum eröffnet.

wt. Alle Rechte vorbehalten.

P.S. Als Mitarbeiter der Kärntner Tageszeitungen konnte ich in den frühen neunziger Jahren die Ausgrabungen am Hemmaberg immer wieder journalistisch betreuen. Damals führte ich zahlreiche Gespräche mit dem Grabungsleiter Dr. Franz Glaser vom Kärntner Landesmuseum, seinen Mitarbeitern und Hofrat Albert Sadjak, dem damaligen Bürgermeister von Globasnitz. Sie haben mich als erste auf diese spannende Geschichte aufmerksam gemacht, die ich seither Jahr für Jahr mitverfolge.