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Werner M. Thelian

Das Lavanttal
Gunstlandschaft Kärntens


Dieser Text basiert auf dem Einleitungskapitel des Buches "Bad St. Leonhard – Stadt mit Geschichte und Kultur", das 1995 im wmt-Verlag erschienen ist.

"Recht wie ein Baumgarten war dieses ganze Land, grün und nirgends verwelkt und voll von trefflichen Düften; ein irdisches Paradies hätte es wohl sein können." (Heinrich v.d. Türlin)

Mit diesen Worten beschrieb Heinrich v. d. Türlin (ca.1180–1235) vor fast 800 Jahren jenes märchenhafte Land, das in seinem Versepos "Die Krone" als landschaftliche Kulisse für aufregende Ritter- und Liebesabenteuer dient. Der Artusritter Gawein wird auf der Suche nach der geheimnisvollen Gralsburg in ein Land geführt, das überaus fruchtbar ist. "Es war überall so voll angebaut, daß es an keiner Frucht mangelte, woran die Erde sich erfreut: Korn, Blumen und Reben und eine wahre Fülle von allerhand Früchten, wovon die Menschen leben müssen."

Obwohl uns der Dichter Namen und Lage dieses irdischen Paradieses nicht verraten hat, vermuten manche Historiker, daß es sich dabei um eine frühe Beschreibung des Kärntner Lavanttals handelt. Trifft dies zu, war der vermutlich aus St. Veit stammende Dichter wohl einer der ersten, die das Tal der Lavant als "Paradies Kärntens" rühmten. Eine werbewirksame Benennung, die sich im Volksmund bis heute erhalten hat und Jahr für Jahr von Tausenden Urlaubsgästen aus aller Welt bestätigt wird.

Ein Blick in das Obere Lavanttal
(Foto: wmt) 

Das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Oberen Lavanttals ist die kleine Stadt Bad St. Leonhard, in der es zahlreiche Sehenswürdigkeiten gibt: u.a. die gotische Kirche St. Leonhard, die Burgruine Gomarn und das Schloß Ehrenfels.
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Geographische Lage

Umrahmt von den mächtigen Gebirgszügen der Kor- und der Saualpe, begrenzt vom Obdacher Sattel im Norden und dem breiten Flußbett der Drau im Süden, eingebettet zwischen dichten Wäldern und grünen Wiesen wird das Tal vor allem durch seinen Nord-Süd-Verlauf charakterisiert. Kaum anderswo in Kärnten gibt es so viele Sonnentage wie hier.

Klima

Allerdings herrschen zwischen dem südlichen und dem nördlichen Talabschnitt beträchtliche klimatische Unterschiede. So setzt in den Gebieten um St. Paul und St. Andrä, wo warme Meeresluft aus dem Süden für ein extrem mildes Klima sorgt, der Vorfrühling für gewöhnlich bis zu drei Wochen früher ein als im hochtalähnlichen Norden des Tales. 

Dort verursacht ein leichter, sanfter Wind zwar an manchen Tagen ein etwas "frischeres" Klima, garantiert andererseits aber auch die ständige Zufuhr unverbrauchter Luftmassen. Ein Umstand, der für alle touristischen Bestrebungen in der Region und vor allem für den Gesundheits- und Kurtourismus von großer Bedeutung ist.

Im glücklichen Zusammenspiel mit den ausgesprochen guten Bodenverhältnissen begünstigt die warme Herbstsonne die Reife des Obstes. Die "Lavanttaler Banane" ist eine weithin bekannte, besonders schmackhafte Apfelsorte, und auch der heimische Apfelmost und die gehaltvollen Lavanttaler Schnäpse haben neben den zahlreichen anderen bäuerlichen Qualitätsprodukten längst viele Freunde im In- und Ausland gefunden. Aber auch der Lavanttaler Spargel wird weit und breit als kulinarische Köstlichkeit geschätzt.

Weinbautradition

Nicht umsonst galt die heutige Bezirksstadt Wolfsberg schon im Mittelalter als Zentrum des Kärntner Weißweinanbaus. Erst viel später, bedingt durch klimatische Veränderungen und die immer stärkere Konkurrenz der steirischen Weinbaugebiete, mußte diese alte Tradition fast gänzlich aufgegeben werden.

In den siebziger Jahren hat man an verschiedenen Orten des Tales mit der Wiederbelebung des Weinbaus begonnen. In der wissenschaftlichen Obstbauversuchsanstalt der Kärntner Landwirtschaftskammer in St. Andrä keltert man seit 1975 edlen Rebensaft, und 1978 wurde auch auf den Terrassen von Schloß Thürn ein Weingarten ausgepflanzt. Neben dem wissenschaftlichen Interesse steht dabei die berechtigte Hoffnung im Vordergrund, neue Ansatzpunkte für eine noch engere Kooperation zwischen Landwirtschaft und Tourismus zu schaffen.

 

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